Sonntag, 27. Januar 2013

Buchtipp: Ein Moment fürs Leben

Wenn man krank ist, bekommt man Geschenke. Es hat ja auch seine guten Seiten. Ich bekam 445 wunderbare Seiten geschenkt. Von einer entfernt angeheirateten Verwandten, die mir durch die Krankheit plötzlich sehr nahe steht. Jemand, der die Krankheit selbst erlebt hat und mir dadurch Mut macht, das schon alles wieder gut wird.

Ich möchte euch diese wunderbaren Seiten sehr ans Herz legen. Es ist Ein Moment fürs Leben von Cecelie Ahern.

Darum geht's: Lucy bekommt Post. Von ihrem eigenen Leben, das sich gern mit ihr treffen würde. Denn Lucy's Leben findet, dass es gerade nicht so rund läuft und würde das gerne ändern. Auch wenn Lucy das völlig anders sieht.

Wie immer bei Cecelia Ahern ist die Geschichte sehr speziell, leicht zu lesen und wunderbar. Ich möchte euch den letzten Abschnitt nicht vorenthalten, denn er ist für mich die pure Hoffnung. Und ihr könnt ruhig lesen, es ist kein Spoiler.

"Solange du auf dieser Welt bist, ist dein Leben auch da. Und genau wie wir unsere Partner und Partnerinnen, unsere Eltern, Kinder und Freunde mit Liebe und Zuwendung überschütten, müssen wir es auch mit unserem Leben tun, denn es gehört uns, jedem von uns. Du bist dieses Leben, es ist immer bei dir, um dich zu unterstützen, es spornt dich an, es jubelt dir zu, selbst wenn du denkst, du kannst nicht mehr. Eine Weile habe ich mein Leben aufgegeben, aber daraus habe ich gelernt, dass das Leben, selbst wenn so etwas passiert, ja, vor allem, wenn so etwas passiert, dich niemals aufgibt. Mein Leben hat mich nicht aufgegeben. Wir werden füreinander da sein bis zum letzten Augenblick, und dann werden wir uns ansehen und sagen: "Danke, dass du bis zum Schluss bei mir geblieben bist."

Amen. Lest das Buch.

Donnerstag, 24. Januar 2013

Leben lernen

Vielen Dank für eure lieben Kommentare, E-Mails und SMS. Es geht langsam vorwärts. Es ist wie neu laufen lernen. Der LauseEngel lernt neu zu leben. Jeden Tag ein bisschen mehr.

Neulich war ich alleine einkaufen.
Und essen. Im Restaurant. (Nein, nicht alleine.)

Wahnsinn!

Wenn man bedenkt, dass ich es vor acht Wochen nicht geschafft habe dem LauseJungen in die Winterschuhe zu helfen ist das enorm.

Ich werde immer wieder gefragt, wie sich so eine Depression anfühlt, und ich kann es euch sagen. Es ist die Hölle auf Erden. Man wartet darauf, dass die Minuten verstreichen und denkt mit jedem Ticken des Sekundenzeigers, dass man es nicht einen Moment mehr aushält. Es ist ein Schmerz, der alles in den Schatten stellt, was ihr bisher erlebt habt. Stellt euch vor, allen Menschen, die ihr liebt, passiert etwas ganz schreckliches und dann multipliziert ihr mit tausend. Und, tut weh? Das ist nur die light Version, von dem, was ich erlebt habe. Oder, wie ich der liebsten Schwägerin sagte: "Ich glaube, ich überlebe das nicht."

Und das alles nur, weil die Neurotransmitter durcheinander sind.

Ich habe überlebt. Ich kämpfe weiter, aber es lohnt sich. Jeden Tag ein bisschen mehr. Der LauseEngel wird schon wieder. Ein bisschen nachdenklicher. Ein bisschen fürsorglicher sich selbst gegenüber. Und mehr ich selbst.

Bis dahin dauert es noch. Aber das Ziel ist in Sicht.

Liebste Grüße, Sanna

Montag, 14. Januar 2013

Offen und ehrlich

Der LauseEngel hat die Farben verloren.

Oder, wie die Mediziner sagen: Postpartale Depression. Depressionen nach Schwangerschaft und Geburt. In meinem Fall klassifiziert als Major Depression, also schwere Depressionen im Wochenbett.

Es fing ca. 6 Wochen nach der Geburt von LauseBaby Linus mit Magen-Darm-Beschwerden an. Dann Kreislaufprobleme. Immer öfter. Dann kam das große Heulen. Weinen, weinen und kein Ende in Sicht. Der LauseEngel bat um Hilfe, der LauseMann reagierte sofort.

Zum Glück gab es direkt ein Bett auf der offenen Erwachsenenpsychiatrie im hiesigen Krankenhaus. Sechs Wochen stationäre Therapie liegen hinter mir. Einige Wochen Tagesklinik werden noch folgen. Außerdem begleitende Psychotherapie für die nächsten Monate oder Jahre. Und Medikamente, auch fürs nächste halbe Jahr. Mindestens. Gute Hilfe für Betroffene und Angehörige gibt's auch hier. Ich bin nicht alleine, denn ca. 10-20% aller Mütter leiden darunter. Unglaublich.

Die Farben kommen wieder. Noch nicht so strahlend und wunderschön, wie sie mal waren. Aber immerhin. Immer öfter schmeckt das Essen wieder. Staune ich über mein eigenes Lachen und freue mich über die kleinen Dinge im Leben. Ich warte auf den Tag, an dem ich abends erst merke, dass die Traurigkeit nicht da war. Der Tag kommt. Ganz bestimmt. Und sicher bald.

Bild von hier.

Bis dahin wünsche ich euch eine Welt voller Farben. Genießt es.